Beispiele für den Ablauf der freien Trauung

Dass man eine freie Trauung ganz individuell nach den Wünschen des Brautpaares gestalten kann, ist klar. Freie Rednerin Friederike Delong geht bei der Gestaltung ihrer freien Zeremonien sogar noch einen Schritt weiter und bezieht auch das Hochzeitskonzept in die Ausgestaltung der Trauzeremonie mit ein.

Wir fanden ihre Ideen so großartig, dass wir sie eingeladen haben, zu von Brautpaaren gewünschten Konzepten eine Zeremonie zu planen. Alleine ihre absolut passenden Musikvorschläge machten uns riesigen Spaß.

Die schönsten Rituale für die Gestaltung eurer freien Trauung findet ihr in diesem Beitrag.

 

Beispiel Freie Trauung „Postkarten“

Grundgedanken

Ihr beide wünscht Euch eine edle, aber dennoch unbeschwerte Hochzeit, die Eure Liebe zu Reisen und Postkarten ausdrückt und auch den Heiratsantrag in Frankreich aufnimmt. Ihr mögt Wiesenblumen und feiert in einem Restaurant mit Blick auf eine Wiese. Ich habe in der Trauung bewusst Wert gelegt auf das Einbinden von Frankreich und habe dennoch den Fokus auf Unbeschwertheit, Leichtigkeit und Liebe gesetzt. Am besten eignet sich für die musikalische Untermalung eine Kombination aus Pianist, Gitarre und Sängerin, Ihr könnt aber auch nur den Pianisten und eine Anlage heranziehen.

Vor der Eröffnung

„Barry`s Book“

von Lutz Gerlach

Jan zieht zusammen mit seinem Trauzeugen ein und wartet am Ort der Zeremonie auf Sarah.

Einzug/Eröffnung

„Sheila`s Book“ von Lutz Gerlach

Sarah zieht ohne Brautstrauß am Arm ihres Vaters ein. Vorn angekommen verabschiedet sich der Vater von der Braut mit einem Kuss und bringt sie zu ihrem Stuhl. Sarah und Jan sitzen nebeneinander mit dem Blick zu den Gästen, symbolisch getrennt durch bunte Stoffbänder, die zwischen den beiden befestigt sind.

Lesung

„Was ist die Liebe?“ von Hermine Czigler von Eny-Vecse

(gelesen durch die Traurednerin)

Begrüßung

„Liebe Gäste, liebe Familie, Freunde, Verwandte und Bekannte, liebes Brautpaar.

Einen solchen Augenblick, der die ganze Ewigkeit bedeutet, möchten wir heute mit Euch feiern.

(An das Brautpaar:) Denn Ihr beiden, Sarah und Jan, erlebt all dies jeden Tag. Ihr habt im Kindergarten eine gemeinsame Reise begonnen und ab heute sollt Ihr sie gemeinsam, als Ehepaar, fortsetzen. Bis an Euer Lebensende gemeinsam durch Euer Leben gehen.

Aus diesem Grund sind wir alle heute hier versammelt, um Euch mit dem sprichwörtlichen „ganz großen Bahnhof“ zu vermählen. Um Eure Liebe zu feiern. Eure Heirat heute ist ein Zwischenhalt auf einer langen Reise. Sie ist Verabschieden vom Alten, Kraft schöpfen, Koffer noch mal umräumen und dann – gewappnet – weiter in die Welt ziehen. Und egal wie der Wind steht, ob Ihr die Wege bereits kennt oder sie Euch fremd sind, ob Ihr einen Reiseplan habt oder Euch einfach treiben lasst … ab heute unternehmt Ihr Eure Reise, gemeinsam.“

Lied

„Mitnehm‘“ von Clueso

Ritual und Würdigung Vorangegangenes

„Sarah und Jan, bisher wurde Eure Reise begleitet von wunderbaren Menschen, die Euch lieben und zu Euch gehören. Das begann mit Euren Eltern, ging weiter im Kindergarten – den Ihr beide gemeinsam besucht habt – und endete nicht mit der Schule, in der Ihr Euch kennenlerntet. Viele Menschen sind Euch begegnet, einen Stück Eures Weges mit Euch gegangen und haben Euch begleitet.“

In diesem Text, der selbstverständlich exakt auf das Brautpaar abgestimmt sein muss, werden alle Gäste berücksichtigt und die verschiedenen Stationen ihres Lebens werden mit kleinen Anekdoten untermalt. Die Gäste, die auf ihren Sitzplätzen eine Wiesenblume mit einem Hinweis auf diese Aktion gefunden haben, kommen bei der Nennung ihres Namens zum Brautpaar und geben Sarah die Blumen. Die Brautjungfern und Trauzeugen werden als Vorletzte, der Bruder der Braut als Letzter genannt. Diese binden gemeinsam den Brautstrauß für Sarah aus den Wiesenblumen, den ihr Bruder ihr übergibt.

„Eure Familien und Freunde, Eure Verwandten und Bekannten haben Euch auf Euren bisherigen Stationen begleitet. Ihr habt mit Ihnen gute und auch schlechte Zeiten erlebt. Ab heute denkt vor allem an die guten, dass Ihr aus Fehlern gelernt habt und sie alle Euch eine Stütze sind auf Eurem gemeinsamen Weg. Bereut nichts!“

Musik zur Loslösung

„Non je ne regrette rien“ von Edith Piaf

(impressionistische, leichtere Interpretation eines Livekünstlers)

Lesung

„Stufen“ von Hermann Hesse

(gelesen durch die Traurednerin)

Hinführung zum Eheversprechen und Ringritual

„Eure gemeinsame Reise beginnt nun mit freiem und unbeschwertem Herzen. Ich bitte Euch aufzustehen und reiche Dir, Jan, diese Schere. Mit dieser räume bitte die letzte Hürde zu Deiner Liebsten aus dem Weg, indem Du das Band, das Euch trennt, zerschneidest.“

Die Ringe sind an den zwischen Sarah und Jan gespannten Stoffbändern befestigt. So kann Jan mit dem Zerschneiden der Stoffbänder die letzte Hürde bewältigen (hier handelt es sich übrigens
um einen abgewandelten französischen Brauch) und gibt dadurch die gemeinsamen Ringe frei, die Sarah für einen Moment auf ein Ringkissen legen kann.

Ja-Wort

„Sarah und Jan, Ihr habt Euch entschieden, den Bund der Ehe zu schließen und Euren weiteren Lebensweg gemeinsam zu gehen.

Darum frage ich Dich, Jan, gehst Du diesen Schritt aus reiflicher Überlegung und aus freiem Entschluss? Willst Du Sarah lieben und achten in guten wie in schlechten Zeiten und sie so annehmen, wie sie ist, wie sie geworden ist und wie sie sein wird? Dann antworte mit ‚Ja‘.

Und darum frage ich auch Dich, Sarah, gehst Du diesen Schritt aus reiflicher Überlegung und aus freiem Entschluss? Willst Du Jan lieben und achten in guten wie in schlechten Zeiten und ihn so annehmen, wie er ist, wie er geworden ist und wie er sein wird? Dann antworte mit ‚Ja‘.“

Eheversprechen

Sarah und Jan geben sich einzeln ihr selbst geschriebenes ganz persönliches Eheversprechen.

Der Ringtausch

„Der Ring, den Ihr Euch gegenseitig ansteckt, ist ein tiefes Symbol für dieses Ja zueinander, für Eure Liebe und Eure gemeinsame Reise, die kein Ende haben möge. Euer Ehering sei Ausdruck Eurer Verbundenheit und Treue und dem Halt, den Ihr einander gebt.

Und nun dürft Ihr Euch endlich küssen!“

Lied zum Kuss

„Der erste Schnee“ von Lutz Gerlach

[Das passt zwar vom Titel nicht, ist aber eine Kombination aus den beiden Liedern, die zum Einzug gespielt wurden und symbolisiert so die Vereinigung des Brautpaares.]

Lesung und Wunschritual

„Postkarten aus … (Orte, die die beiden bereits bereist haben) haben Eure Liebsten in den vergangenen Jahren bereits erhalten. Bald werdet Ihr Postkarten aus dem Flitterwochenziel schreiben. Und sicherlich werden auf Eurer gemeinsamen Reise viele weitere Postkarten von Euch folgen. Ihr werdet gutes und schlechtes Wetter verkünden, gute und schlechte Hotels, sicherlich auch gute und schlechte Zeiten gemeinsam. Aber wir alle hier hoffen, dass Ihr außer den üblichen Grüßen auch unbändige Freude, Glücksgefühle und Liebe verkünden werdet.

Eure allererste Postkarte als verheiratetes Paar schickt Ihr Euch allerdings selbst.“

Als gemeinsame Aktion sollen Sarah und Jan hier eine Postkarte von ihrer Hochzeit an sich selber schreiben und schicken. Dafür steht ein Briefkasten bereit, der später auch als Gästebuch dient.

Lied

Hier könnte eine Pianoversion von „Postcards from LA“ von Joshua Kadison die Aktion untermalen.

„Dieser Briefkasten ist heute Überbringer wunderbarer Freude, vieler Glückwünsche und Liebe. Für Euch und für Eure Gäste.“

Organisatorisches

„Verehrte Gäste, Sie finden diesen Briefkasten später auf der Feier als Gästebuch wieder und können hoffentlich tolle Worte, die nicht nur das Wetter verkünden, übermitteln. Wir sind fast am Ende dieser Trauung – diesem Meilenstein –angelangt, daher bitte ich Sie, ein Spalier zu bilden. Die Richtung des Spaliers kann letztlich erst vor Ort festgelegt werden. Wenn ein Spalier wenig sinnvoll ist durch die Gegebenheiten vor Ort, kann aber auch ein Kreis um die Liebenden sehr schön sein.“

Verabschiedung

Da Jan seiner Sarah die alles entscheidende Frage in Paris gestellt hat, wird
ein Gast einem alten französischen Brauch folgen und ein Brioche durch ihre Reihen tragen, das dann – versehen mit all ihren guten Wünschen – über dem Paar gebrochen wird und ewige Liebe, Treue und Glück bringen soll. Die Liebe, die Treue und das Glück, das Sie alle heute feiern!

Lied

„Road Trippin`“ von den Red Hot Chilli Peppers

Wunschritual und Auszug

Wahrscheinlich gegen Ende des Liedes – wenn das Spalier steht – gehen Sarah und Jan durch das Spalier, bekommen bereits erste kleine Glückwünsche und Händeschütteln. Am Ende wartet Friederike mit dem Brioche, bricht es über den beiden, bittet sie jeweils ein Stück zu essen und wünscht ihnen alles Gute mit einer Postkarte, die sie den beiden schenkt.

Lied

„J‘ aime à nouveau“ von Zaz während der Glückwünsche

Sie sind auch so begeistert wie wir und möchten eine individuelle Zeremonie von Friederike Delong? Sie finden die kreative Traurednerin unter facebook.com/ringturnen.

 

Beispiel Freie Trauung „Knotenzeremonie“

Die musikalische Untermalung wäre hier sehr hübsch aus einer ungewohnten Mischung aus Akkordeon, Violine und Sängerin, die den maritimen Touch aufnehmen, aber nicht zu übertrieben.

Vor der Eröffnung

Während die Gäste Platz nehmen, wird leise im Hintergrund „Knot of Place and Time“ von Jan Garbarek gespielt.

Einzug

Cornelia und Andreas ziehen gemeinsam zu „Gonna tie our Love in a Double Knot“ von Dolly Parton (live interpretiert) ein.

Eröffnung

Das Brautpaar sitzt schräg zu den Gästen, damit es gut gesehen wird.

Lesung

„Knoten“ von Christoph Heidsieg (gelesen von der Traurednerin)

Begrüßung

Liebe Gäste, liebe Familie, Freunde, Verwandte und Bekannte, liebes Brautpaar.

[Hier könnten organisatorische Hinweise für die Gäste folgen.]

An das Brautpaar:

„Mit Euch selbst verknüpft. Das möchtet Ihr ab dem heutigen Tag sein. Verschlungen in einen Knoten, der Eure Liebe symbolisiert und sich nicht einfach lösen lässt. Ein Knoten symbolisiert die Unendlichkeit, die Euch verbinden soll und die verschlungenen Pfade des Lebens, die Ihr ab heute gemeinsam begehen werdet. Er zeigt die enge Verbindung zwischen Euch beiden. 

Er soll für immer geknüpft sein. Und nie-mand solle ihn je zerschlagen. Denn Seil kann man immer brauchen.“

Lesung

„Der gordische Knoten“ von Erich Kästner (gelesen von den Vätern des Brautpaares)

Lied

„Gordian Knot“ von Elephant (live interpretiert)

Würdigung des Vorangegangenen und Wunschritual

Cornelia und Andreas reichen einander die Hand. Die Traurednerin bindet nacheinander drei Seile um die Hände der beiden: ein weißes, ein rotes und ein schwarzes Seil.

„Das weiße Seil steht für die Reinheit Eurer Liebe, den Neubeginn am heutigen Tag, den Anfang, den Ihr gemeinsam macht und die Unschuld, die Euch inne ist. Das rote Seil symbolisiert den Fortschritt, die Schritte die Ihr gemeinsam gehen werdet. Es steht für Fruchtbarkeit, Kraft und Entschlossenheit, die Euren Weg begleiten mögen.

Das schwarze Seil soll Euch begleiten, denn es steht für das Alter. Für Weisheit, die Ihr erlangen mögt und für die lange gemeinsame Zeit, für die gewonnene Erfahrung. Es symbolisiert das starke Wissen.“

Nun bittet die Traurednerin wichtige Menschen aus dem Leben des Brautpaares nacheinander nach vorn. Diese Gäste haben am Abend vor der Trauung ein kleines Schächtelchen mit verschiedenfarbigen Seilstücken vom Brautpaar bekommen.

Ebenfalls in dem Schächtelchen befanden sich eine Beschreibung des Rituals, der Text der ersten drei Seile und die Bitte, sich eines der Seile auszusuchen, um dieses mit guten Wünschen um die Hände des Brautpaares zu schlingen und zu verknoten.

Die Wünsche sollten von den Gästen selbst oder von Friederike gesprochen werden, damit auch die anderen Gäste teilhaben können. Dies ist aber dem jeweiligen Gast freigestellt.

Lied

„Knots“ von Lisa Hannigan  (live interpretiert)

Hinführung zum Eheversprechen

Cornelia und Andreas sind noch immer mit den Seilen verbunden.

„Ich frage Dich, Andreas, bist Du hierher gekommen, um nach reiflicher Überlegung und aus freiem Entschluss den Bund der Ehe mit Cornelia zu schließen?

Willst Du Cornelia lieben und achten, Ihr die Treue halten alle Tage Eures Lebens? Dann antworte mit ‚Ja‘.

Ich frage auch Dich, Cornelia, bist Du hierher gekommen, um nach reiflicher Überlegung und aus freiem Entschluss den Bund der Ehe mit Andreas zu schließen? Willst Du Andreas lieben und achten, ihm die Treue halten alle Tage Eures Lebens? Dann antworte mit ‚Ja‘.“

Hier gibt sich das Brautpaar je einzeln das Eheversprechen mit eigenen Worten.

Hierbei nehmen sie abwechselnd eines der Seile ab (mit der freien Hand) und legen es in eine vorbereitete Kiste in der auch bereits die Zettel mit den guten Wünschen der Gäste liegen.

Lesung

„The Knot“

Ringwechsel

„Ihr habt Euch die Liebe erklärt. Sobald das Liebeslied verklungen ist, bindet Ihr Eure Liebe in einen unlösbaren Knoten. Eure Gelübde sind gesprochen und sollen für die Ewigkeit gelten. Damit bindet Ihr Eure Liebe in einen unlösbaren Knoten. Hier steht Ihr voreinander, Hand in Hand. Haltet Euch so fest, dass niemand Euch trennen kann.

Gebunden wie ein Strick um Eure Finger, wie ein Ring. Er soll Euch an die Liebe erinnern, die Euch hierher gebracht hat und an die, welche in den kommenden Jahren folgen wird. Ihr bindet Eure Liebe in einen unlösbaren Knoten.

[Bei dieser Lesung stecken sich Cornelia und Andreas gegenseitig die Ringe an.]

Kuss & Lied

„The Knot“ von Jill Barber (live interpretiert)

Die erste Hürde

Um zu symbolisieren, dass Cornelia und Andreas von nun an alle Hürden gemeinsam nehmen, reicht Friederike ihnen einen dicken Tampen, den sie nach einer Anleitung, die der Trauzeuge verliest zu einem Knoten binden sollen. Die-
sen Knoten ziehen Cornelia und An-
dreas dann gemeinsam fest.

Organisatorisches und Verabschiedung

[Hier wird meist noch etwas Organisatorisches für die Gäste als Hinweis gebraucht.]

An das Brautpaar:

„Euer Knoten ist gebunden und Eure Liebe schützend umwunden.

Ich gratuliere Euch ganz herzlich und möchte eines nicht unerwähnt lassen: Knoten werden unter Druck nur fester!“

Auszug

„Let`s tie the knot“ von The Droge and Summers blend (live interpretiert)

 

Foto: Kathrin Roth-Schädlich


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