Alle Bräuche zum Polterabend und die Bedeutung des Polterns

Die Bedeutung des Polterabends hat eine lange Herkunft, die wir euch hier genauer mit allen Bräuchen und Traditionen im Laufe der Zeit erklären. 

Denn der Polterabend ist auch heute eine großartige Gelegenheit – ähnlich wie die Polterhochzeit nach der Trauung –, mit allen Nachbarn, Vereins-Freunden und Arbeitskollegen, die man nicht zur Hochzeitsfeier einladen kann, ausgelassen zu feiern.

Polterabend Hochzeitsbrauch

Polterabend Hochzeitsbrauch | Foto: Happy Arts

Warum eigentlich poltern und kehren?

Den Polterabend gibt es bereits seit dem späten Mittelalter. Damals hat man den Polterabend mit Peitschen und Gewehrschüssen gefeiert und durch den Krach böse Geister verjagt. Denn wie viele andere Hochzeitsbräuche sollte er als Schutzritual oder Segensbrauch für das Brautpaar dienen.

Am Tag vor der kirchlichen Hochzeit wurde deshalb bis um Mitternacht das Schwellenritual gefeiert um die Junggesellen beim Übergang in das Eheleben zu begleiten.

Die Bedeutung des Wortes „Poltern“ & "Polterabend"

Das Wort „Poltern“ geht vermutlich auf die Vertreibung von Poltergeistern zurück, denn die Dämonen, die das Brautpaar umgeben könnten, verabscheuen Krach. Und zusätzlich 

Gemeint war aber auch die Angst und Unsicherheit des Brautpaars vor der Ehe, denn das Brautpaar hat sich oft vor der Hochzeit nicht gekannt und schon gar nicht gemeinsam gelebt. Durch das ausgelassene Fest sollte deshalb auch die Sorge gegen Festlaune ausgetauscht werden. 

Die Bedeutung des Polterabends heute

Heute wirft man Porzellan oder Steingut auf den Boden, denn das macht ebenso viel Krach und die Scherben bringen dem Brautpaar Glück. Außerdem beweist das Brautpaar beim Polterabend, wie gut es im Team zusammenarbeiten kann, denn das Zusammenkehren übernimmt das Brautpaar persönlich direkt im Anschluss.

In ländlichen Gebieten ist der Polterabend ein unerlässlicher Teil der Hochzeits-Festwoche, denn in den kommenden Tagen treffen sich Nachbarn und Freunde immer wieder, um gemeinsam alles für das große Fest vorzubereiten und dem Brautpaar einen einzigartigen Tag zu gestalten.

In den letzten Jahren ist verstärkt zu beobachten, dass der Brauch, Polterabend zu feiern von dem Trend, Junggesellen- und Junggesellinnenabschied zu begehen als Übergangsritus ergänzt bzw. abgelöst wird. 

Polterabend kehren

Polterabend kehren | Foto: Christina und Eduard Grjasin

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So lasst ihr es beim Polterabend krachen: Geniale Tipps & Ideen

Warum wird Geschirr gepoltert?

Das Zerbrechen von etwas Altem stellt den Übergang in einem neuen Lebensabschnitt dar. Darüber hinaus verwendet man Tonwaren, weil sie große Bedeutung im Alltag von Menschen haben und dieser Alltagsgegenstand, der mit der Zeit ausgetauscht wird.

Warum bringen Scherben Glück?

Dass Scherben Glück bringen kommt aus dem Töpferjargon. Denn eine "Scherbe" ist eigentlich die Bezeichnung für ein aus Ton gefertigtes Produkt – in unzerbrochener Form. Also auch ein Tongefäß.

Und da diese Gefäße als Vorratsgefäße genutzt wurden, bringen viele Scherben Glück, denn die gefüllten Gefäße versorgten die Familie und stellten Wohlstand dar.

Zusätzlich wurden Tongefäße als Opfergabe verwendet und als Ritual zerbrochen.

Das wird auf keinen Fall gepoltert

Glasscherben bringen auf keinen Fall Glück – eher das Gegenteil, da man sich an ihnen schwer verletzen kann. Zusätzlich verheißt der Aberglaube beim Zersplittern eines Spiegels sieben Jahre Unglück.

Witzbolde aufgepasst, denn das ist gar nicht witzig

Manch einer findet es vielleicht witzig, Papier wie zum Beispiel Bierdeckel, Konfetti und Toilettenpapier zum Poltern mitzubringen, um es dem Brautpaar beim Kehren besonders schwer zu machen. Und wenn dazu noch Wasser ins Spiel kommt, ist dieser Spaß ganz und gar nicht lustig, denn das Kehren wird zur echten Farce.

Zusätzlich fallen Papier und sonstiger Unrat bei der Kostenberechnung des Containerdienstes nicht wie Porzellan unter Bauschutt, weshalb dies auch noch zusätzliche Kosten verursacht.

Weitere Bräuche beim Polterabend


Die Hose des Bräutigams am Polterabend verbrennen

In manchen Gebieten wird die Hose des Bräutigams um Mitternacht verbrannt. Dies steht symbolisch dafür, dass seine Junggesellenzeit beendet ist und er nicht mehr die Hose alleine anhat. Denn nun muss er sich um Team um den Erfolg der Ehe bemühen.

Die Asche wird mit einer Flasche Schnaps begraben und mit Freunden ein Jahr später wieder ausgegraben und geleert. Mancherorts wird auch gleichzeitig der BH der Braut dazu beerdigt.

Schuhe der Braut festnageln

Als Pendant zum Verbrennen der Hose werden die Schuhe der braut an einen Baum genagelt. Damit verhindert man ihr Weglaufen und symbolisiert, dass sie sich endgültig entschieden hat.

Das Witzige: Erst ein Jahr nach dem Polterabend dürfen die Schuhe vom Baum entfernt werden. 

Polterabend ohne Poltern: Das sind die Alternativen

Wer auf Lärm und Fegen verzichten möchte, kann natürlich auch ohne die Bedeutung des Polterns feiern. Hierfür gibt es drei Möglichkeiten:

Die Feier vor der Hochzeit mit allen Nachbarn und Freunden

Ladet alle einfach zum Polterabend ohne Poltern ein. Das ist in manchen Gegenden sogar unerlässlich, weil es der Vermieter oder die Location gar nicht ermöglicht einen Baucontainer aufzustellen.

→ Hier findet ihr passende Formulierungen für die Einladung zum Polterabend ohne Poltern

Kränzen: Ein wunderschöner westfälischer Brauch

Beim Kränzen wird von Freunden und den Nachbarn eine Girlande aus Tannengrün und Papierblumen gebunden und um die Tür der Brauteltern oder des Brautpaars befestigt, damit alle Passanten sehen können, dass hier geheiratet wird. Anschließend wird mit allen gemeinsam gefeiert.

→ Alle Tipps und Ideen zum Kränzen

Das Kranzbinden für die Braut: Traumhaft schöne Alternative zum Polterabend oder JGA

Das Kranzbinden zur Hochzeit ist eine wirklich schöne Hochzeitstradition, die auch heute noch für die Hochzeit oder den JGA richtig cool ist.

→ Alle Tipps und Ideen zum Kranzbinden für die Braut

Andere Länder – andere Sitten: Internationale Bräuche

In Österreich wird der Bräutigam traditionell an einer Holzleiter festgebunden und von seinen Freunden durch verschiedene Kneipen geschleppt. Und natürlich muss er auch für alle Jungs die zahlen.

In Griechenland zerdeppert man ein paar Teller an einem Türrahmen um Dämonen vom Haus fernzuhalten. 

In Großbritannien wird ein Teller samt eines Stücks Hochzeitstorte über dem Kopf der Braut auf die Straße geworfen.


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