Corona und Hochzeit: Was ist, wenn die Hochzeit nicht stattfinden darf?

Stand 20. März 2020 15:40 Uhr

Die Situation in den Bundesländern ändert sich täglich und ihr fragt euch: Was passiert, wenn wir unsere Hochzeit aufgrund eines Verbotes absagen müssen?

Wir geben euch hier einen Überblick aller rechtlichen Fakten, in Bezug auf die Kosten bei einer behördlich angeordneten Absage der Hochzeit. So seid ihr über alle Eventualitäten informiert.

Aber auch den Umgang der meisten Hochzeits-Dienstleister in dieser speziellen Situation haben wir euch zusammengefasst: Alle Möglichkeiten findet ihr in diesem Beitrag

INFO

Bei diesem Artikel wurden wir in allen rechtlichen Aussagen von Florian Schmitt, Rechtsanwalt bei der Kanzlei Gräf & Centorbi in Mainz unterstützt, wofür wir sehr dankbar sind.

Wir haben diese Kanzlei ausgesucht, weil sie euch weiterführend zu sämtlichen rechtlichen Fragen im Zusammenhang mit der Corona-Krise informieren und beraten kann.

HOCHZEIT WEGEN CORONA BEHÖRDLICH UNTERSAGT:

Wer trägt welche Kosten, wenn wir nicht feiern dürfen?

alle  rechtlichen Fakten in bezug auf die Kosten

Sehen wir uns das einmal im Detail genauer an:

Um herauszufinden, welche Kosten bei der Absage eurer Hochzeit wegen der Corona Pandemie entstehen, haben wir euch ein paar Beispiele zusammengestellt.

Diese Ansprüche haben Hochzeitsdienstleister, wenn eure Hochzeit nicht stattfinden darf

Manche Dienstleister haben ihre Arbeit bereits für eure Hochzeit geleistet und manche kommen erst am Tag eurer Hochzeit zum Einsatz. Wie wird das dann geregelt?

Ist doch klar: Keine Leistung, keine Bezahlung – könnte man meinen. Dennoch gibt es ein paar Feinheiten, die ihr wissen müsst.

Hier ein paar Beispiele:

Die Vergütung für den Weddingplanner

Ein Weddingplanner ist für euch im Vorfeld mit der Planung betreut, kommt in vielen Fällen aber auch bei der Hochzeit zum Einsatz. Also gibt es bereits erbrachte und noch nicht erbrachte Leistungen.

Die Planungsdienstleistung, die bereits erbracht wurde, ist in jedem Fall zu vergüten. Das bedeutet: Dieser Teil der Dienstleistung wird in Rechnung gestellt.

Diese bereits erbrachte Leistung könnt ihr jedoch beispielsweise für einen Ausweichtermin nutzen.

Um ihren Brautpaaren zu helfen, bieten die meisten Hochzeitsplaner deshalb das Umplanen kostenfrei an – auch wenn dies für die Weddingplanner ein großer Mehraufwand bedeutet.

Die Vergütung der Papeterie-Dienstleister

Wenn ihr eure Papeterie in einem Shop bestellt, ist die Sache einfach: Es sind einzelne Aufträge.

Anders ist es bei Kartendesignern. Hier müsst ihr zwar auch nur die bereits gedruckten Karten vergüten, aber auch das Design, welches bereits für die Menükarten entstanden ist.

Aber auch hier sind wir sicher, dass jeder Designer euch beim zweiten Druck nur die reinen Druckkosten berechnen wird. Zudem könnt ihr das Design für Karten bei der Feier ja auch weiterhin nutzen.

Und was ist mit Hochzeitsdienstleistern, die erst am Tag eurer Hochzeit ihre Leistung erbringen?

Hier gilt der Werkvertrag. Nähere Informationen dazu haben wir euch hier zusammengestellt.


EINEN WERKVERTRAG SCHLIESST IHR IN DER REGEL MIT DIESEN HOCHEITSDIENSTLEISTERN AB:

  • Catering
  • Fotografen
  • Konditoren (Hochzeitstorte)
  • Anfertigung eines Brautkleides durch einen Schneider
  • Individuelle Hochzeitswebsite
  • Individuelle Hochzeitspapeterie
  • Floristen


Am Beispiel des Hochzeitsfotografen genauer erklärt

Der Fotograf braucht seine Leistung nun nicht zu erbringen. Dies erspart ihm Zeit und Aufwand sowie Material. 

Allerdings hat er in seiner Vergütung natürlich einen Gewinn einkalkuliert. Diesen Gewinn muss das Brautpaar als Schadensersatz erstatten. Diesen ermittelt er aus seiner betriebswirtschaftlichen Kalkulation.

Ein Vorgespräch zur Planung wird man hier nicht als Teilleistung ansehen und wäre daher nicht separat zu vergüten. 

Etwas anders verhält es sich bei Locations oder dem Deko-Verleih

"Falls ein behördliches Verbot greift, ist es für den Auftragnehmer weiterhin möglich, seine Leistung zu erbringen. Da die Durchführung aber für das Brautpaar in der Form nicht von Interesse ist, liegt ein Fall der Unmöglichkeit nach § 275 I BGB vor", führt Rechtsanwalt Florian Schmitt aus. 

Das bedeutet: Der Vermieter (zum Beispiel die Location) kann nach wie vor seine Räume zur Verfügung stellen. Ihr als Brautpaar habt daran jedoch kein Interesse mehr, da die Feier in der gewünschten Form nicht stattfinden kann.

Das gilt für:

  • Mietlocations
  • Deko-Vermietung
  • Locations mit Catering
  • Zeltverleih

"Das Vertragsverhältnis wird in diesem Fall so behandelt, dass es keinen Leistungsaustausch mehr gibt. Der Vermieter stellt die Räumlichkeiten nicht zur Verfügung. Im Gegenzug entfällt damit auch die Leistungspflicht des Brautpaares für die Miete. Dies ergibt sich aus § 326 I BGB."

Also müsst ihr beispielsweise die Raummiete nicht bezahlen.

Allerdings hat der Vermieter Anspruch auf Schadensersatz

"Man muss davon ausgehen, dass das Risiko zur Möglichkeit der Durchführung der Feier beim Brautpaar liegt. Deshalb kommt ein Schadensersatzanspruch des Vermieters in Betracht. Dieser ist gerichtet auf den entgangenen Gewinn, der ihm durch die Absage verloren geht."

Mit anderen Worten: Ihr als Brautpaar tragt das Risiko für die Durchführung eurer Feier. Deshalb kann der Vermieter (beispielsweise die Location) einen Anteil seines Verlustes in Rechnung stellen.

Und wie wird der Schadensersatz berechnet?

Die Höhe des entgangenen Gewinns muss immer im Einzelfall bewertet werden. 

Wenn ihr einen Vertrag habt:

"In vielen Verträgen finden sich hierzu entsprechende Regelungen, um dies pauschal zu beziffern."

Wenn ihr keinen Vertrag habt:

"Sofern keine vertraglichen Regelungen bestehen, greift das Gesetz. Insofern muss dann versucht werden, den entgangenen Gewinn anhand der Kalkulation des Vermieters zu bestimmen."

In beiden Fällen lohnt sich – vor allem bei hohen Forderungen – eine Rechtsberatung.

"Beispielsweise gilt es – gerichtet an den momentanen Allgemeinverfügungen nach dem Infektionsschutzgesetz – zu klären, ob das Brautpaar als Veranstalter gilt oder nicht, denn hier gibt es Ausnahmen", rät Rechtsanwalt Florian Schmitt. "Diese und andere Einzelheiten, welche die Höhe des Schadensersatzes beeinflussen, müssen im konkreten Fall geprüft werden.

Grundsätzlich ist jedoch zu empfehlen, mit dem Gegenüber zu reden. Man sollte versuchen, eine gemeinsame Lösung zu erarbeiten, um einen Ausweichtermin zu finden und dann einen schönen Hochzeitstag zu haben. Ich denke, insofern sollte man vor allem an die Vernunft aller Beteiligten appellieren", ergänzt Florian Schmitt.

Ein schöner Schlusssatz! So sehen wir das auch.

Gemeinsam findet ihr eine Lösung.

Wir halten euch auf dem Laufenden und versuchen nach Kräften euch zu helfen.



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